Bekenntnis eines Redners

Es gibt bei jedem Film, bei jedem Konzert und jedem Vortrag einen Moment, kurz bevor es losgeht, in dem das gesamte Publikum still wird. Alles Rascheln und alle Unterhaltungen hören gleichzeitig auf, und jeder harrt in stiller Erwartung dessen, was da kommen mag. Man spricht vom Schweigen der Menge, doch tatsächlich ist dies der Augenblick, in dem sich die Menge erstmals formiert. Die 200 einzigartigen Menschen mit verschiedenen Ansichten und Ideen werden nun zu einer Einheit, verbinden sich erstmals, um ihre ungeteilte Aufmerksamkeit demjenigen zu schenken, der sich auf der Bühne befindet.
Ich bekomme eine Gänsehaut, wenn das passiert, selbst wenn ich wie letzte Woche nur in der hintersten Reihe eines Kinos sitze, um mir Crank: High Voltage anzusehen, einen hoffnungslos albernen Actionfilm. Selbst dort, nach der Vorschau und bevor der Vorspann beginnt, ist es bizarr und magisch zugleich, mitzuerleben, wie die Menge im Saal versucht, leise zu sein. An diesem Tag habe ich die Stille allerdings gebrochen. Ein M&M rutschte mir aus der Hand und fiel zu Boden. Jedes Geräusch auf seinem Weg in die erste Reihe hallte in den Ohren der genervten Fremden wider. Meine tollpatschige Panne, so peinlich sie auch war, zeigt, wie rar und besonders Stille ist, und wie einfach man sie brechen kann.
Wenn ich rede, weiß ich, dass dieser spezielle Moment der einzige Augenblick ist, in dem ich die volle Aufmerksamkeit des Publikums genieße. Wenn nicht gerade ein Alien-Raumschiff während meines Vortrags mitten auf der Bühne notlandet, ist die Stille, bevor ich anfange, der stärkste Moment, den ich habe. Wie gut ich bin, wird dadurch definiert, wie ich die Kraft dieses Moments nutze. Die Bilanz hängt aber von einer umfassenderen Frage ab: Wie kann ich die Aufmerksamkeit der Zuhörer halten, nachdem dieser Moment vorbei ist?


Diese Frage beantwortet Scott Berkun in seinem soeben neu erschienenen Buch „Bekenntnisse eines Redners. Oder die Kunst, gehört zu werden„. Er hat dafür seine 15-jährigen Erfahrungen als Redner auf Konferenzen kondensiert und lässt Sie an seinen größten Erfolgen, aber auch an den schlimmsten Pannen teilhaben. Praktische Tipps zur Überwindung schwieriger Situationen beim Sprechen vor Publikum runden das Buch ab.


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