Präsentieren – (k)eine Kunst?

Dies ist ein Gasbeitrag von Robert Boehme, einem Mitglied der Part Time Scientists. Sie sind Teilnehmer des Google Lunar X Prize, dessen Ziel die erfolgreiche Landung eines selbst konstruierten Roboters auf dem Mond ist. Wir drücken ihnen die Daumen!
Es ist doch so: Mit einem guten Vortrag kann man seinen Chef beeindrucken, potenzielle Kunden überzeugen, Unterstützung für ein Projekt einholen, oder auch schlicht den Kollegen aufzeigen, wo Handlungsbedarf besteht. Einleuchtend also, dass man sich und seinem Thema eine gute Vorbereitung gönnen sollte. Selbst als absoluter Experte auf seinem Gebiet, ist es ein leichtes, auch die interessierteste Zuhörerschaft mit textbeladenen Dias zu überfordern  oder durch monotone Sprechweise einzuschläfern.
Wie stellt man es also an mit dem „Supervortrag“? Werden tolle Vorträge wirklich nur von Leuten gehalten, die Eskimos Kühlschränke verkaufen können? Nein! Ein toller Vortrag setzt keine Verkäufermentalität voraus! Man muss nur seine Ideen vermitteln und das Publikum begeistern können! Als Faustegel gilt: weniger ist mehr! Auch wenn man als Experte vor Experten spricht, sollte man aus Dias keine Sachbücher machen. Man sollte viel eher Leidenschaft zeigen und Dinge so erklären, wie man es auch im Gespräch mit Freunden tun würde.
… und so war unser Vortrag!

Zugegeben: Wir haben uns erst auch etwas schwer getan. Letztes Jahr bekamen wir die Einladung, auf dem 26C3-Kongress im Dezember unser Projekt vorzustellen.

Für die Vortragenden war es das aufregendste Ereignis überhaupt. Ich war einer von ihnen, und werde euch hier verraten, was gut lief, und was weniger gut.

Unsere Idee war, jeweils einen Experten zu den Themen Raumfahrt, technische Planung, Entwicklung und Organisation vortragen zu lassen. Als Zeit hatten wir 2 Stunden agesetzt. Drei Wochen vor dem Termin fingen wir mit den Dias an… und am Ende war jeder von uns mit einer Wagenladung Notizen, Textdateien und Skizzen gerüstet! Kurz vor dem Kongress besorgte ich mir das Buch slide:ology – ein guter Freund hatte es bei Safari Online entdeckt. Nancy Duarte erklärt darin, wie man bei seinem Vortrag brillieren oder wie man ihn ruinieren kann. Um letzteres zu vermeiden, warfen wir unsere Notizen und Textdateien über Bord und re
duzierten die Informationsdichte der Dias auf ein zuhörerfreundliches Maß. Es war eine Riesenarbeit, und als wir fertig waren, hatten wir gerade noch zwei Tage Zeit zum Üben. Nach vielen kleinen Änderungen war dann im Grunde gar keine Zeit mehr zum Üben, und in der Nacht vor dem 28. kam ich auf ganze zwei Stunden Schlaf.

Der Buchtipp der Part Time Scientists: slide:ology

Bei dem Vortrag lief bei weiten nicht alles wie es laufen sollte. Aber trotzdem wurde er ein Erfolg! Und wir hatten unsere Lektion gelernt.
Um als Vortragender beim Publikum zu punkten, sollte man:

  1. direkt mit der Vorbereitung anfangen, selbst wenn man noch drei Monate Zeit hat.
  2. den Vortrag über Twitter, Facebook oder andere Medien ankündigen und Updates über die Fortschritte bei der Vorbereitung zur Verfügung stellen.
  3. sehr viel Zeit auf die Dias verwenden. Mein Tipp dazu: slide:ology!
  4. überlegen, wer die Zuhörer sind und was sie besonders interessieren könnte.
  5. üben, üben, üben! Sobald die ersten Dias stehen, gleich mit der Stoppuhr und gegebenenfalls einer Kamera die ersten Versuche unternehmen.
  6. sich ganz natürlich geben und nicht gar so ernsthaft herüberkommen wollen.
  7. zeitig schlafen gehen! Wenn manche Dias nicht perfekt sind – egal! Als Vortragender ist man in der Regel der Kompetenteste im Raum, ob die Dias nun perfekt sind oder nicht.

Wenn der Vortrag auf Englisch gehalten werden muss, sollte man noch intensiver üben. Bei mir gibt es mittlerweile eine „schwarze Liste“ an Wörtern und Wendungen, auf die ich künftig verzichten will. Dazu gehören zum Beispiel „and so on“, außerdem Satzanfänge mit „so“, „that“, „with“ etc. Doch am wichtigsten ist, bei aller Arbeit nie zu vergessen:
Spaß daran haben!
Robert – ein Part Time Scientist


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